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Peter Altenberg und das Fremde

Foster, I 1995, 'Peter Altenberg und das Fremde ' , in: Reisen im Diskurs , C. Winter, Heidelberg, pp. 333-342.

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    Abstract

    Der Rang des Wiener Literaten Peter Altenberg war von jeher umstritten. Sind seine Werke wirklich wie des Kaisers neues Kleid oder gibt es hinter der Pose so etwas wie eine Aufarbeitung der großen Themen seiner Zeit? Sicher ist das Fremde ein wesentliches Thema bei Altenberg, der als der "Afrikaforscher des Alltags" bekannt wurde. Ein möglicher Ansatz zu einem verbesserten Verständnis findet sich bei der Begegnung zwischen Altenberg und einer reisenden Gruppe von Afrikanern im Jahre 1896. Die Ausstellung von "exotischen" Völkern war -- besonders ab 1874 -- mit dem Namen des deutschen Tierhändlers und Zirkusunternehmers Carl Hagenbeck verbunden. Im Rahmen einer großen Ausstellung im Hagenbeckscher Stil kamen etwa 100 Westafrikaner nach Wien im Sommer des Jahres 1896. Ihnen wurde ein "Dorf" -- frei nach mitteleuropäischer Auffassung der Gebräuche der Schwarzafrikaner -- im Wiener Prater aufgebaut. Das persönliche Verhältnis Altenbergs zum Dorf und zu seinen Einwohnern spiegelt sich in seiner literarischen Darstellung Ashantee (1897). Vor dem Hintergrund einer kurzen Darstellung der "Völkerschaustellungen" Hagenbecks werden die genauen Umstände der Begegnung zwischen Altenberg und den Afrikanern beschrieben. Ein kurzer Abriß skizziert dann die zentrale Rolle der Idee des Anders-Seins in den kulturellen und politischen Debatten der Zeit. Altenbergs Darstellung in Ashantee wird als Versuch charakterisiert, sowohl die ästhetisierenden Tendenzen des liberalen Journalismus wie auch die antisemitische Rhetorik der politischen Rechte zu überwinden. Bei Altenberg sollen das bewußte Zitieren von kolonialen Klischees und die fiktiven Gespräche unter den AfrikanerInnen Ansätze zu einem Dialog bilden, den Altenberg sich erhofft. "Mache nur nicht solche Abgründe zwischen Uns und Ihnen," sagt eine Figur in Altenbergs Text. Auch der Gebrauch des Kollektivpronomens birgt schon in sich eine Gefahr. In diesem Sinne ist Altenbergs Ashantee ein Stück umgekehrter Reiseliteratur. Wenn der Alltag des Wieners schon so unbekannt wie das unbekannte Land Afrika ist, wie ist es, wenn "Afrika" bzw. die Afrikaner als Fremde im fremden Land des Mitteleuropäers, tatsächlich vor der Tür stehen? Das Bild der "Naturvölker" in der Literatur der Doppelmonarchie beruhte natürlich nicht nur auf solchen Ausstellungen und der Vortrag schließt mit einer vergleichenden Darstellung der Figur des Afrikaners in der Literatur der Wiener Moderne.

    Item Type: Book Section
    Themes: Subjects outside of the University Themes
    Schools: Colleges and Schools > College of Arts & Social Sciences > School of Humanities, Languages & Social Sciences > Centre for Translating and Interpreting
    Publisher: C. Winter
    Refereed: Yes
    ISBN: 3-8253-0303-9
    Depositing User: I Foster
    Date Deposited: 20 Oct 2011 14:24
    Last Modified: 20 Aug 2013 18:15
    URI: http://usir.salford.ac.uk/id/eprint/18560

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